Schnitzen mit der Axt

Die Axt oder das Beil ist ein sehr traditionelles Werkzeug. Es wurde in vielen Holzberufen zum bearbeiten des Materials verwendet. Für die Zimmerleute hatte diesen Werkzeug die Bedeutung, wie der Hobel für die Tischler_innen. Bei der gegenwärtigen technischen Möglichkeiten hat  die Axt an Bedeutung verloren. Die Verwendung dieses vielfältigen Werkzeuges erfordert viel Übung. Es lohnt sich nicht nur aus nostalgischen Gründen, den Umgang zu erlernen. Mich hat es fasziniert, wie präzise Handwerker_innen mit einer Axt arbeiten können. Mein Interesse war geweckt und ich habe mich näher mit diesem Werkzeug beschäftigt. 

Eine Axt zum Schnitzen wird mit einer Hand geführt, daher sind kleine Äxte mit einem Kopfgewicht bis 1000 gr. geeignet. Der Griff sollte nicht zu lang sein, da die Axt meist kurz mit einer Hand gegriffen wird. Ein langer Axtstiel ist eher störend und kann zu Unfällen führen. Die Schneidenlänge kann unterschiedlich sein. Es gibt Äxte mit gebogenen oder geraden Schneiden. Probiere die verschiedenen Kopfformen aus, du wirst die unterschiedlichen Eigenschaften kennenlernen und deine Axt finden. 

Die Schneide ist symmetrisch und hat einen Schneidenwinkel von 25- 30 Grad. Die Seite, welche dem Werkstück zugewandt ist, sollte eine gerade Fase haben. Die andere Seite kann ballig angeschliffen sein. Die Schneide muss eine gute Schärfe haben.  Ein Schneidenschutz ist zu empfehlen. Bei einer Schnitzaxt ist die Materialgüte der Schneide besonders wichtig. Wenn sie zu weich ist, dann verliert die Schneide schnell ihre Schärfe, da sich die Schneidenkannte umlegt. Ist das Material zu hart, dann kann es zu Schneidenausbrüchen kommen und das Schärfen ist schwieriger. 


Spalten

Mit der Axt kannst du deine Werkstücke spalten. Stelle das Holz auf einen Hackstock und setze die Axt auf das Stirnholz. Nun schlägst du mit einem Holzhammer auf die Schlagplatte/ Axtnacken und treibst die Schneide in das Holz. Durch die Keilwirkung des Werkzeuges trennen sich die Holzfasern an dieser Stelle. 

Beim Spalten ist es wichtig, dass du dein Werkzeug so ansetzt, dass du das Holz mittig teilst. Wenn auf einer Seite weniger Holz ist, dann kann es passieren, dass der Riss verläuft. Achte darauf, dass die Stirnholzflächen auf beiden Seiten gleich groß sind. 

Mit einer Schnitzaxt kannst du nur kleine Holzstücke spalten, da durch das Schlagen auf den Axtnacken das Öhr brechen kann. Für größere Stücke verwende eine Spaltaxt, einen Spalthammer, oder ein Spaltmesser sowie Holzkeile. 

Behauen

Bei dieser Technik machst du eine schlagende Bewegung. Du hälst die Axt locker in der Hand, die  Bewegung kommt aus dem Handgelenk, maximal aus dem Unterarm. Wenn die Schneide das Holz berührt, dann sollte sie durch das Holz gleiten, so das ein ziehender Schnitt entsteht. Die Axt sollte so geführt werden, dass die Schneidenfase, welche dem Holz zugewand ist, senkrecht nach unten geht. Das steuern der Schnitte wird durch das entsprechende Halten des Werkstückes übernommen. 

Diese Bearbeitungsform ist eine Kombination aus Spalten und Schneiden. Möchtest du verhindern, dass sich lange Holzstücke abspalten, dann setze Kerben (Stopcut’s). Du schneidest mit den Axtschlägen in eine nahezu rechten Winkel in das Holz, so das die Holzfasern durchtrennt sind. 

Achte darauf, dass die Schneide der Axt niemals über der Hand ist, welche dein Werkstück hält. 

Aufgesetzte Schnitte

Wenn du genau arbeiten möchtest, dann ist es nicht so leicht aus der Schlagbewegung die richtige Stelle zu treffen. Hier kannst aufgesetzte Schnitte machen. Setze die Schneide an der richtigen Stelle an, hebe Werkstück und Werkzeug an und stoße beides auf den Hackstock. Achte darauf, dass kein Finger unter der Schneide ist. 

Stopcut’s

Sie verhindern das unerwünschte Spalten des Holzes. Mit den Stopcut’s trennst du die Holzfasern an der Stelle, bis zu der sich das Holz abspalten soll. Dies kann zB. Bei einem Löffel die Stelle sein, an welcher der Stiel in die Löffelschüssel übergeht. Um diese Stopcut’s zu setzen muss du dein Werkstück nahezu waagerecht auf den Hackstock legen. Nun schlägst du mit der Axt auf die gewünschte Stelle, so dass eine Kerbe entsteht. Achte darauf, dass deine Haltehand weit genug entfernt ist. Bedenke, dass dein Werkstück brechen kann. Einen Stoppcut kannst du auch mit einer Säge machen.

Schubschnitte

Bei dieser Technik arbeitest du mit der Axt wie mit einem Messer. Du führst keine Schlagbewegung aus, sondern schiebst das Werkzeug über die Holzfläche und schneidest dabei einen Span ab. Das Werkstück stellst du so auf den Hackstock, dass es sicher steht und nicht wegrutschen kann. Die Axt greifst du am Axtkopf und führst den Schnitt so aus, dass die Schneide nach unten geführt wird und durch das Holz gleitet (ziehender Schnitt). Die Technik ist vergleichbar mit dem „Schnitzen gegen eine Unterlage“.

Sicherheit für Mensch, Tier und Werkzeug

Jedes arbeiten mit einem scharfen Schneidewerkzeug birgt Gefahren. Arbeite konzentriert, bewusst und aufmerksam. Achte auf die Hinweise, die ich bei den einzelnen Techniken beschrieben habe. Hier noch ein paar Sicherheitsregel:

– Das Werkstück positionierst du so auf den Hackstock, dass die Axt in den Hackstock geht, wenn dein Schlag das Ziel verfehlt.

– Lege das Werkzeug sicher ab, wenn du es nicht benutzt. Eine herunterfallende Axt ohne Schneidenschutz kann erhebliche Verletzungen verursachen. 

– Achte darauf, dass der Axtstiel nicht zu lang ist. Es kann passieren, dass du beim Ausholen mit dem Ende gegen den Hackstock stößt und der Schlag in eine andere Richtung geht. Große Äxte mit langem Stiel werden mit zwei Händen geführt. 

– Der Axststiel soll gut in der Hand liegen. Das Ende so geformt sein, dass die Axt nicht aus der Hand gleitet. 

– Die Axt muss fest eingestielt sein. Der Axtkopf darf nicht wackeln und der Stiel nicht beschädigt sein. 

– Sei dir sicher, dass keine Kinder oder Haustiere in die Nähe deiner Axtschneide kommen. 

Eine gute und scharfe Axt hat einen hohen Gebrauchswert. Behandle sie dementsprechend, so dass du lange Freude daran hast. Wichtig ist:

– Halte die Arbeitsfläche des Hackstocks sauber von Erde, Sand und kleinen Steinen. Du vermeidest dadurch, dass die Schneide beschädigt wird. 

– eine herunterfallende Axt ohne Schneidenschutz (siehe Oben) kann auch zu erheblichen Schäden an der Schneide führen. 

– Ziehe die Schneide nach jedem Einsatz mit einem Abziehstein oder einer Polierpaste auf Holz/ Leder ab. Dadurch hast du lange eine scharfe Schneide ohne sie schärfen zu müssen. 

– Verhindere das Ansetzen von Rost besonders an der Schneide. Reinige die Schneide nach dem Arbeiten, besonders wenn du Eiche bearbeitet hast,  und lagere das Werkzeug in einem trockenen Raum. Du kannst die Schneide auch mit Wollfett oder Schweinespeck schützen. 

Nun wünsche ich dir viel Freude beim Ausprobieren. In dem Video zeige ich die oben beschriebenen Techniken. Zu diesem Zweck schnitze ich einen Butterstreicher. Viel Spass beim Zusehen. 

2 Gedanken zu „Schnitzen mit der Axt“

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