Schleifen- ja oder nein

Schleifen- ja oder nein

Ich habe es früher auch getan- meine Schnitzarbeiten geschliffen. Nun mache ich es nicht mehr. Für mich ist es ein Qualitätsmerkmal wenn die Oberfläche kein Schleiffpapier berührt hat. Es ist  jedoch nicht richtig das Schleifen von Holzarbeiten pauschal abzulehnen- es ist gut sich zu informieren, um eine eigene Haltung zu diesen Thema zu entwickeln. 

Schleifen, was ist das?

Bei der Bearbeitung von Holz wird das Schleifen überwiegend zum Glätten der Oberfläche angewendet, weniger um eine Form herauszuarbeiten. Die scharfen Kanten der mineralischen Körner auf dem Papier oder dem Gewebe dienen dabei als Schneiden. Diese Schneiden sind in ihrer Geometrie unbestimmt und bilden meist einen negativen Schnittwinkel. Die Spanabnahme ist überwiegend schabend. Die Oberfläche des Holzes bekommt eine leicht pelzige Struktur, da die Holzfasern nicht sauber angeschnitten sondern meist angerissen werden. 

Zum manuellen Schleifen von Schnitzarbeiten wird ein Schleifpapier oder ein Schleifleinen verwendet. Die angegebenen Bezeichnung, zB. P80, bezieht sich auf die Maßeinheit Mesh, welches die Maschenfeinheit eines Gewebes oder Siebes angibt. Je größer die Zahl, desto feiner sind die Maschen. Das Schleifkorn, welches durch dieses Sieb fällt,  ist kleiner und somit das Schleifpapier feiner. Weiterhin unterscheidet sich das Schleifpapier oder -leinen durch das Material des Schleifkorns sowie der Streudichte. 

Schleifen- ja klar

Fast überall wo mit Holz gearbeitet wird, ist das Schleifen der letzte Arbeitsgang vor der Oberflächenbehandlung. Ein sorgfältiges Schleifen mit immer feiner werdenden Schleifwerkzeug ergibt eine glatte Oberfläche. Der große Vorteil des Schleifens ist die schabende Spanabnahme. Es kommt dadurch nicht zu großen Faserausrissen, wie sie beim Hobeln oder Schneiden mit einem Schnitzesser passieren können. Selbst schwierige Holzbereiche, wie Äste, „wild“ gewachsenen Stellen oder Stirnholzflächen lassen sich durch das Schleifen so bearbeiten, dass eine saubere und glatte Fläche entsteht. Im Bereich der Banktischlerei entstehen gerade gehobelte Flächen. Im Endergebnis ist der Unterschied zwischen einer geschliffenen und einer gehobelten Fläche kaum wahrzunehmen, sobald eine Oberflächenbehandlung erfolgt ist. Die meisten Tischler schleifen ihre Arbeiten um eine bereits fertige Fläche nicht durch große Faserausrisse zu ruinieren.

Faserausrisse

Beim Schnitzen entstehen wenig gerade Flächen. Durch das Arbeiten mit einem Messer entstehen Oberflächen, auf denen die Messerschnitte deutlich zu erkennen sind. Je besser es dir gelingt lange Schnitte auszuführen und Faserausrisse zu vermeiden, desto sauberer wird die Schnitzarbeit. Beginnst du mit dem Schnitzen, dann fällt dir das saubere Arbeiten noch schwer. Du brauchst Übung und Erfahrung. Besonders die Schüsselung eines Löffels oder die Stellen im Holz, an denen du die Schnittrichtung wechseln musst, erweisen sich als echte Herausforderung. 

Messerspuren

Durch das Schleifen hast du die Möglichkeit die Unebenheiten zu egalisieren und Faserausrisse an schwierigen Stellen zu verhindern oder zu entfernen. Beginnend mit 80er oder 120er Schleifpapier kannst du alle Unebenheiten und Ausrisse rausschleifen. Anschließend glättest du die Oberfläche mit einer immer feiner werdenden Körnung (bis 320).

Schleifen- lieber nicht

Dein geschliffener Löffel- schön glatt ist er, mit weichen Kanten und einer perfekten Oberfläche. Um dies zu erreichen musst du allerdings lange schleifen. Deine Kleidung wird ganz staubig. Hoffentlich atmest du nicht so viel Staub ein, denn Holzstaub ist ein Gefahrstoff, von dem Risiken für deine Gesundheit ausgehen. Da sich der Schleifstaub am Arbeitsplatz verteilt, ist die Wohnung kein guter Ort für diese Arbeit. Das Schleifmittel verbraucht sich und wandert nach seinem Einsatz in die Mülltonne. 

Dein Löffel bekommt durch das Schleifen einen andern Charakter. Eine Holzarbeit, bei der die Messerschnitte zu erkennen sind, hat die besondere Ästhetik der einmaligen Handarbeit.  Die Kanten, die entstehen wenn zwei Flächen aufeinandertreffen, sind ein Gestaltungselement. Durch das schleifen verlieren die Kanten ihre Klarheit. Die Form wirkt verwaschen, wie ein unscharfes Foto.

Die Oberfläche bekommt durch das Schleifen eine raue Struktur, da die Holzfasern nicht sauber angeschnitten werden. Auch wenn es kaum sichtbar und fühlbar ist, so verliert die Oberfläche an Qualität. Ich glaube, eine ungeschliffene Holzarbeit ist beständiger gegenüber Schmutz und Flüssigkeit.

Mut zu Fehlern

Ich habe mich entschieden meine Arbeiten nicht zu schleifen und sehe dies als ein Qualitätsmerkmal an. Mein Anspruch ist es, eine Oberfläche zu schaffen, die keine ausgerissenen Fasern hat. Die Spuren des Messers sollen sichtbar bleiben. Es ist eine Handarbeit, die in dieser Form nur von mir gefertigt werden kann. 

Als ich mit dem Schnitzen begonnen habe, da ist es mir nicht gelungen eine saubere Oberfläche zu erreichen. Wenn es dir auch so geht, dann möchte ich dir Mut machen, diese Fehler zu akzeptieren. Du wirst merken, mit jedem Gegenstand kommst du der perfekten Oberfläche und Form näher. 

Alternativen

Es gibt noch Bearbeitungstechniken, welche mit dem Schleifen vergleichbar sind. Ich möchte sie hier nur benennen und später darüber schreiben. Du kannst einen feinen Span mit einer Ziehklinge oder mit einem Schnitzmesser, welches über die Holzfläche schabt, abheben. 

Zu guter Letzt noch eine Möglichkeit, die nichts mit dem Schleifen gemein hat, aber auch ein letzter Arbeitsschritt sein kann. Du kannst die Oberfläche mit einem harten glatten Gegenstand (Geweihstück, Knochen, Falzbein) abreiben und dadurch die Fläche komprimieren. Es entsteht eine glatte und glänzende Oberfläche. 

Geweihstück zum Bearbeiten der Oberfläche

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