Januarpfeife

Das Schnitzen einer Pfeife wird meist mit dem Monat Mai verbunden. Die Maipfeife ist der Klassiker unter den Schnitzprojekten. Sie wird aus der Rinde der Weide gemacht. In diesem Artikel zeige ich das Schnitzen einer Pfeife aus Holunder. Eine schöne Schnitzarbeit, die wenig Zeit in Anspruch nimmt. 

Das Material

Zuerst geht es raus in den Garten oder dort hin, wo es Holunderbüsche gibt. Schneide dir einen gut Fingerdicken Zweig ab- genug Material für einige Pfeifen. Von deinem Brennholzstapel nimmst du dir ein trockenes Stück Laubholz. Es sollte gerade gewachsen sein und eine feine Struktur haben. Lege dir ein Messer, eine feine Säge, ein Holz oder Metallstab, einen Holzhammer und Schleifpapier zurecht. 

Ein Rohr aus dem die Pfeife entsteht

Von deinem Holunderzweig schneidest du dir ein Stück in der gewünschten Pfeifenlänge ab. Je kürzer, desto höher wird der Ton. Du kannst ja mit verschiedenen längen experimentieren. Für dein erste Pfeife entscheide dich für ca. 10 cm. Nun kannst du das Mark entfernen, indem du es mit einem Stab rausschiebst. Ich habe hierfür einen Gewindestab verwendet. Die so entstandene Röhre sollte Innen schön Glatt sein. Mit Schleifpapier, welches du um einen Gewindestab wickelst, kannst du dein Werkstück von innen schleifen. 

Das Fenster mit Labium

Nun schneidest du das Fenster mit dem Labium. In einem Abstand von ca. 4 cm machst du mit dem Messer einen senkrechten Schnitt. Nun schneidest du in einem flachen Winkel gegen diesen. Das wiederholst du so oft, bis ein Fenster entsteht, dass etwa eine Öffnung von ca. 3 mm hat. Es ist sehr wichtig, dass besonders der schräge Schnitt mit einem scharfen Messer sauber ausgeführt wird. Die Kante die dabei entsteht- das Labium- darf nicht ausgefranst sein. 

Der Block und das Endstück

Für deine Pfeife brauchst du einen Block. Das ist der Teil, der am Mundstück einen Windkanal bildet. Der Windkanal sorgt dafür, dass der Luftstrom auf das Labium (Bild) trifft. An der scharfen Kannte teilt sich der Luftstrom wodurch der Ton entsteht. Weiterhin brauchst du ein Holzstück, welches deine Pfeife am unteren Ende verschließt. Dadurch entsteht ein hoher Pfeifender Ton. Für diese beiden Teile schnitzt du dir nun einen Rundstab, der genau in das Holunderstück passt. Diesen Rundstab schnitzt du dir aus dem trockenem Stück Holz von deinem Brennholzstapel. 

Wähle eine Länge, die etwa 2x deiner Handbreite entspricht. So kannst du das Holzstück gut festhalten. Nun spaltest du mit einem Werkmesser, einem größerem Moramesser, eine Leiste heraus, der einen quadratischen Querschnitt hat und deren Breite dem Innendurchmesser deines Holunderstückes zuzüglich ein bis zwei Millimeter entspricht. Mit dem Messer kannst du die Leiste Nacharbeiten um zu dem beschriebenen Ergebnis zu kommen. Die Schnitztechnik ist im Teil 1 hbeschrieben. 

Aus einer Hälfte deiner Leiste machst du einen Rundstab, der in das Holunderstück hineinpasst. Das verbleibende Stück dient dir zum festhalten. Du schneidest zunächst die Ecken der Leiste ab, so dass ein achteckiger Querschnitt entsteht. Nun schneidest du die entstandenen acht ecken ab, so das ein sechzehneckiger Querschnitt entsteht. Nach diesem Prinzip arbeitest du immer weiter, bis aus deiner Leiste ein Rundstab geworden ist. Achte darauf, dass du immer auf der gesamten Länge einen gleichmäßigen Spann abnimmst. Kontrolliere, ob der Querschnitt gleichmäßig Rund wird, und das der Durchmesser des Stabes auf der gesamten Länge gleich ist. 

Wenn du einen passenden Rundstab hergestellt hast, dann stellst du zunächst den Block her. Dazu schneidest du eine Fläche an den Stab so das ein Spalt entsteht, wenn du das Holzstück in das Holunderstück steckst. Es ist gut, wenn die Fläche etwas schräg ist, so das der Luftstrom schräg von unten an das Labium trifft. Nun steckst du den Block in das Holunderstück. Achte darauf, das die Fläche parallel zum Labium steht. Der Block soll bis zum Fenster reichen. Nun probierst du ob ein Ton entsteht. Halte das andere Ende zu, da dieses später verschlossen wird. Durch verschieben des Blocks kannst du die richtige Position finden, bei der ein sauberer Ton erklingt. Das überstehende Holz kannst du nun abschneiden. 

Mach es Fertig

Mit dem verbleibenden Ende des Rundstabes kannst du nun deine Pfeife verschließen. Auch hier schneidest du mit einer feinen Säge das überstehende Holz ab. Die Stirnholzflächen schneidest du mit dem Messer sauber nach. Verwende hier die Technik „gegen den Daumen schnitzen“ so wie es im Artikel Schnitztechnik Teil 2 erklärt wird. Am Mundstück kannst du am unteren Ende eine längere Fase anschneiden. Beim Pfeifen kannst du diese Fase auf deine Unterlippe legen, so findest du immer die richtige Position. Weiterhin kannst du an beiden Enden rings herum eine kleine Fase anschneiden um die Kanten zu brechen. Für diese beiden Arbeitsschritte kannst du die Technik mit der Daumenstütze anwenden (Schnitztechnik Teil 1). Die Rinde kannst du entfernen. Hierfür verwendest du die Technik mit gestreckten Arm, bei dem du das Werkstück gegen das Messer bewegst. (Schnitztechnik Teil1)

Wenn du auch eine Baumwollkordel oder eine Lederschnur anbringen möchtest, dann bohrst du am Ende der Pfeife ein Loch, welches durch das Holzstück geht, mit dem du die Pfeife verschlossen hast. Du kannst deiner Pfeife auch einen zweiten Ton geben. Hierzu bohrst du ein weitere Loch. Verwende einen scharfen Bohrer, der saubere Ränder schneidet. Die Bohrspäne, die in die Pfeife fallen, musst du entfernen. 

Hast du dich gefragt, warum das Holz für den Block und das Endstück trocken sein soll? Da das Holunderholz frische ist, wird es noch schwinden. Der Durchmesser wird sich verkleinern. Der Block und das Endstück sitzen dann Fest- ganz ohne Leim. Es kann allerdings passieren, dass nach dem Trocknen der Luftkanal zu klein wird oder das ein Riss entsteht. 

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