Das neue Schnitzmesser

Viele Schnitzmesser werden gebrauchsfertig angeboten. Meine Erfahrung mit den Messern von Morakniv ist jedoch, dass die Schneide noch abgezogen werden muss. Was bedeutet das und wie wird es gemacht, das möchte ich hier erläutern.

Eine Schneide entsteht, indem zwei Flächen in einem meist spitzen Winkel, dem Schneidwinkel aufeinander treffen. Für das Schleifen einer Schneide werden verschiedene Schleifmaterialien verwendet, die eine unterschiedlich grobe Körnung haben. Je gröber die Körnung, desto höher der Materialabtrag. Eine grobe Körnung bedeutet, dass das Schleifkorn groß ist. Die Schleiffase bekommt Riefen in der Oberfläche. Das führt dazu, dass die Schneide kleine Zacken hat. Je feiner das Schleifmaterial, desto kleiner sind die Riefen, die beim Schleifen entstehen. Die Zacken an der Schneide werden kleiner, bis sie fast weg sind.

Ein stumpfes, ausgebrochenes und verrostetes Schneidwerkzeug wird mit einer 100er Körnung geschliffen. Zum Polieren oder Abziehen einer Schneide wird ein Schleifmittel mit einer Körnung von 8000 bis 10000 verwendet. Es ist gut vorstellbar, dass die Schleifkörner sehr klein sind und das die Riefen auf der Schleiffase entsprechen fein sind, so das eine fast spiegelglatte Oberfläche entsteht.

Das neue Messer ist scharf geschliffen, doch beim genauen hinsehen sind die Schleifriefen zu erkennen. Die Schneide hat kleine Zacken. Bei den ersten Versuchen in Holz zu schneiden wirkt das Messer scharf. Es dringt leicht in das Material ein und es lässt sich gut damit arbeiten. Durch die Beschaffenheit der Schneide zeigt die Oberfläche deutliche Schnittspuren. Um dies zu vermeiden muss die Schneide abgezogen werden. Als Abziehen wird das Schleifen einer Schneide mit einer Körnung von 3000 bis 10000 bezeichnet.

Zum Abziehen wird ein Bankstein mit der entsprechenden Körnung benötigt. Ich benutze japanische Wassersteine oder den belgischen Brocken, einen Naturstein, der auch mit Wasser verwendet wird. Der Stein wird vor dem Abziehen 10 Minuten gewässert. Zum Abziehen wird der Stein auf eine Arbeitsfläche gelegt und die Fase der Messerklinge auf den Stein gelegt, so dass die Schneide nach vorn zeigt. Nun wird das Messer nach hinten gezogen wobei gleichzeitig der Griff etwas angehoben wird, um auch die Spitze zu Schleifen. Die andere Seite wird umgekehrt geschliffen. Die Schneide zeigt nach hinten und das Messer wird nach vorn geführt. Es ist sehr wichtig, dass die Fase immer ganz auf dem Schleifstein aufliegt. Anschließend kann die Schneide auf einem Abziehriemen aus Leder auspoliert werden. Hierzu später mehr.

Ausgangsposition, zum Führen können zwei Finger der linken Hand auf die Klinge gelegt werden
das Ende der Schleifbewegung
Ausgangsposition für die gegenüberliegende Fase
das Ende der Schleifbewegung

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